Über die Berge und über das Meer, besprochen von Birgit Närger

Dieses ist eines der besten und bewegendsten Jugendbüchern, das ich seit langem gelesen habe.

Zwei junge Menschen, ein Mädchen und ein Junge, machen sich unabhängig voneinander auf die Flucht. Aus den afghanische Bergen bis nach Deutschland.

Sorey ist als siebtes Mädchen einer Familie in einem kleinen Dorf geboren und aufgewachsen. Um der Familie die Schande zu ersparen, dass wieder (!) kein Junge geboren wurde, wächst sie als solcher auf. Und dann als Jugendliche,  wird von den Taliban unter Druck gesetzt und in die Flucht getrieben.

Tarek ist ein Hirtenjunge, der mit seiner Familie ein Nomadendasein führt. Auch er wird von den Taliban bedroht.

Die Beiden kennen sich, da Tareks Stamm gelegentlich in dem Dorf von Soreys Familie Halt macht. Allerdings wissen Beide nicht voneinander, dass sie fliehen wollen. Auf dem langen Weg der Flucht begegnen sie sich einmal zufällig. Und hoffen auf ein Wiedersehen in Deutschland.

Wirklich bewegend und mitreißend wird die Geschichte der Beiden, immer im Wechsel erzählt.

Die Geschichte ist gut recherchiert und ohne reißerischen Tonfall. Beim lesen bekommt man sowohl einen Eindruck von afghanischen Traditionen, vom Einfluss der Taliban als auch von der Flucht.

Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, so sehr hat mich das Schicksal und der Mut und die Kraft dieser Menschen in den Bann gezogen. Und auch wenn ich es eigentlich weiss, ist mir noch mal deutlicher geworden, in welchem Schlaraffenland wir leben.

 

Reinhardt, Dirk
Gerstenberg Verlag GmbH & Co.KG
ISBN/EAN: 9783836956765
14,95 € (inkl. MwSt.)