Miroloi, besprochen von Birgit Närger

Für diese Buch gilt: Entweder! Oder! Entweder, Sie lieben dieses Buch! Oder Sie finden es doof, dazwischen gibt es nicht viel. Das habe ich aus Gesprächen mit meinen Kolleginnen und aus Kritiken gelernt. Das Buch stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und ich liebe es.

Ein sehr aussergewöhnliches Buch, ein seltsames Buch, ein wunderbares Buch, ich habe etwas derartiges noch nicht gelesen.

"Miroloi" ist der Name für ein Totenlied in der griechisch-orthodoxen Kirche, das von Frauen geschrieben und gesungen wird. Die junge Ich-Erzählerin aus Karen Köhlers Roman, die keinen Namen tragen darf,  singt uns in 128 Strophen ein Lied über den Mut, aufzubegehren.

Sie lebt auf einer Insel, auf der die Zeit stehen geblieben ist. Im „Schönen Dorf“ haben Männer das Sagen. Das Mädchen ohne Namen lebt bei ihrem Finder, dem Bethaus-Vater. Frauen dürfen nicht lesen, Traditionen und heilige Gesetze lasten auf allem.

So ein Ort existiert nur in der Literatur. Und Karen Köhler erzählt, was an einem solchen Ort passiert, wenn sich eine junge Frau gegen die Regeln stellt. Lesen lernt, Freundschaften und Allianzen schliesst, sich verliebt und endlich doch noch einen Namen bekommt.

Mich hat es gepackt, die Sprache ist mitreißend. Jedes Detail in diesem Roman brennt und leuchtet und ich konnte „Miroloi“ nicht mehr zur Seite legen und habe mich jeden Abend wieder so sehr auf dieses Buch gefreut.

 

Köhler, Karen
Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
ISBN/EAN: 9783446261716
24,00 € (inkl. MwSt.)