„Über die See“, besprochen von Helke Stadelmeier

Eine Kapitänin ist mit ihrer Crew auf einem Handelsschiff unterwegs in die Tropen. Kurz hinter den Azoren äußert die Crew den ungeheuerlichen Wunsch, einmal im Ozean baden zu dürfen. Sie stimmt von sich selbst überrascht zu. Sie stoppt die Maschinen und hält das Schiff an. Die Crew verlässt das Schiff und zurück bleibt nur sie, während die Mannschaft einen unvergesslichen Moment im Meer erlebt. Am Anfang leicht und unbeschwert, beinahe glückstrunken, ändert sich das Gefühl in Angst und Panik. Sie sind sich ihrer Nichtigkeit und Hilflosigkeit bewusst.

Nach diesem Erlebnis ist nichts mehr wie vorher. Das Schiff hat scheinbar ein Eigenleben! Erst als sich die Kapitänin ihrem eigenen Schmerz stellt, scheint sich das Leben auf dem Schiff wieder zu ordnen.

Navarro ist Lyrikerin und spielt mit großen Bildern und einer ruhigen, präzisen Sprache und doch hat dieses Buch etwas rauschhaftes... Es ist ein Wechselspiel zwischen Traum und Wirklichkeit. 157 Seiten hat dieses schmale Buch, in dem so viel Raum für eigene Gedanken gelassen wird und diese zum Fließen bringt. Eine Reflexion über das Sein und über das Leben.


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