„Poison For Breakfast“, besprochen von Theodor Lindner
Stellen Sie sich einmal vor, Sie sitzen bei Ihrem Frühstück, jede Komponente ist perfekt zubereitet und der Tag kann eigentlich losgehen. Doch dann fällt Ihnen ein kleiner Zettel auf dem Boden bei der Haustür auf, auf dem steht: „Sie hatten Gift zum Frühstück“. Genau das passiert dem Autor Lemony Snicket. Und er trifft die einzige Entscheidung, die für einen Mann wie ihn Sinn ergibt: Er besucht die Orte, an denen er die einzelnen Bestandteile seines Frühstücks erworben hat, um so hoffentlich seinen Mord aufzuklären.
Wer jetzt aber einen typischen Krimi erwartet, wird enttäuscht. Denn auf seine ganz eigene, stets skurrile und wunderliche Art driftet Lemony Snicket ab. Er erinnert sich an seine nächtlichen Ausflüge als Kind, philosophiert über Leben und Tod, berichtet von Büchern, die er gelesen, verloren und wiedergefunden hat, unterhält sich mit Schriftsteller*innen und einem Übersetzer und erzählt von seiner Freundin der Schuhmacherin, die schon lange so mausetot ist, wie Snicket es selbst bald sein wird.
„Poison For Breakfast“ ist ein Buch, das sich nur ganz schwer beschreiben lässt. Ich kann nur so viel sagen: Seit es letztes Jahr im Herbst erschienen ist, habe ich es schon drei Mal gelesen und es wird einfach nicht alt, sondern fasziniert immer wieder aufs Neue. Vor allem, wenn man gerade in einem Leseloch ist und nicht weiß, worauf man Lust hat, ist dieses Buch perfekt; nach einem einzigen Kapitel würde man am liebsten sein ganzes Bücherregal leerlesen. Und allein für dieses Gefühl lohnt sich das Buch absolut.



