„Pompeji“, besprochen von Nikolaus Närger

Als auf einem Berg oberhalb der Stadt Pompeji tote Vögel gefunden werden, ist Josse, Sohn eines Geflüchteten, einer der wenigen, die die drohende Gefahr durch den Vulkan erkennen. Ohne Schulbildung, Geld und Einfluss gelingt es ihm, sich an die Spitze einer Aussteigerbewegung zu setzen. Bald fürchtet das Stadtoberhaupt, die Vulkangerüchte könnten Pompeji schaden, aber erst als auch einer der reichen Bürger auf die Gefahr etwas zu geben scheint, schaltet sich die mächtigste Frau der Stadt ein. Und Josse fällt um. Die Katastrophe vor Augen, tut er – nichts. Und plädiert opportunistisch nun - für ein "Leben mit dem Vulkan".

Eugen Ruge hat mit dieser erneuten Gesellschaftssatire sich der Verhältnisse im antiken Pompeji nun angenommen und kann die menschliche Fehlbarkeit in all ihren Facetten darstellen, ohne den Zeigefinger zu erheben: es gibt sowohl feministische Bestrebungen gegen das „Patriarchat“ als auch Umweltschützer, linke Dogmatiker und Warner vor dem "westlichen" bzw. hier römischen Imperialismus. Ein funkensprühendes "Spiegelkabinett", intelligent, abgründig – fast wie bei Monty Python – und sehr empfehlenswert.


Bibliographie
Tipp
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Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna
Eugen Ruge
Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna
Roman
EAN: 978-3-423-28332-8
Eine fulminant erzählte Zeitreise in eine ferne Vergangenheit, in der wir uns spiegeln und erkennen - vom Autor der Bestseller In Zeiten des abnehmenden Lichts und Metropol. Als auf einem Berg oberhalb der Stadt Pompeji tote Vögel gefunden werden, hat der Zuwanderer Jowna alias Josephus alias Josse eine Eingebung: Wenn da wirklich ein Vulkan grollt, wie von manchen behauptet wird, sollte man das Weite suchen. Ohne Schulbildung, Geld und Einfluss gelingt es ihm, sich an die Spitze einer Aussteigerbewegung zu setzen. Bald fürchtet das Stadtoberhaupt Fabius Rufus, die Vulkangerüchte könnten Pompeji schaden. Erst als sich ein paar wohlhabende Bürger für die Gründung einer neuen Siedlung zu interessieren beginnen, die in sicherer Entfernung am Fenster des Meeres liegt, schaltet sich Livia ein, die mächtigste Frau der Stadt. Allmählich wird der Aussteiger Josse zum Aufsteiger. Seine Weggefährten mit ihrer Schwäche für Fliegenpilzsud und Philosophie werden ihm zur Last, die eigenen Ideen fangen an, ihn zu stören. Doch wie wirft man Überzeugungen über Bord, ohne seine Anhängerschaft zu verprellen? Wie macht man eine Kehrtwende, ohne sich zu drehen? Eugen Ruges Pompeji ist eine Erfindung, die auf geschichtlicher Wahrheit beruht und zugleich durch ihre Gegenwärtigkeit verblüfft: die Geschichte einer verhängnisvollen Verblendung im Vorfeld einer Katastrophe. Eine schillernde Parabel über Verführbarkeit, Verrat und Wahn.

Bei Bestellung bis 17 Uhr während der Ladenöffnungszeiten ist der Titel am nächsten Tag abholbereit.

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