"Am Meer", besprochen von Martina Schiemer

Lucy Barton, Anfang 70, Witwe seit kurzem, ist Schriftstellerin und lebt seit vielen Jahren in New York. Es ist Anfang 2020 und eigentlich sollte Lucy auf einer Lesereise in Europa sein, hatte diese aber schon abgesagt, noch nicht ahnend, dass sich ein neues Virus rasend schnell über den Globus ausbreiten wird.

Mit ihrem ersten Ehemann William, mit dem sie 20 Jahre verheiratet war und von dem sie schon genauso lange getrennt lebt, verbindet sie noch immer eine Freundschaft. William, tätig als Parasitologe, erkennt sehr schnell die Gefahr, die sich hinter dem Virus verbirgt und bedrängt Lucy, mit ihm an die Küste nach Maine zu fahren. Sie empfindet das sehr übertrieben und unnötig, lässt sich dann aber doch überreden. In Maine angekommen, ist es nicht nur das Klima, das sie kalt empfängt, auch die Einheimischen beäugen die New Yorker anfangs mit Missbilligung. Doch mit dem nahenden Sommer erwärmt sich auch das Zusammenleben mit den Bewohnern des Küstenorts.

Wer Elizabeth Strouts Bücher kennt, weiß um ihre Kunst, Geschichten zu erzählen. Nur wenige Autoren sind in der Lage, Familiengeschichten auf so leichte und feinsinnige Weise zu schreiben und dabei die zwischenmenschlichen Beziehungen in kluge Sätze zu verwandeln, atmosphärisch wie ein Spaziergang am Meer. Für mich ein großes Lesevergnügen.


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