"Das Beste sind die Augen", besprochen von Theodor Lindner
Fischaugen zu essen, so sagt man in Korea, bringt Glück. Bisher hat Jiwon sich immer geweigert. Doch seit ihr Vater die Familie für eine Affärepartnerin verlassen hat, ist ihre Mutter am Boden zerstört und um ihr einen Gefallen zu tun, probiert Jiwon endlich ein Fischauge. Sie macht damit zum einen ihre Mutter glücklich, und stellt zum anderen fest, dass sie den Geschmack und die Textur mag.
Tatsächlich scheint sich das Glück für ihre Mutter zum Guten zu wenden, denn schon bald bringt sie einen neuen Partner nach Hause. George ist weiß, sagt aber von sich, dass er sämtliche asiatische Kulturen liebt und respektiert. In Wirklichkeit ist es eher ein Fetisch, den er für asiatische Frauen hat, und so gafft er den Kellnerinnen im Asiarestaurant genauso hinterher wie Jiwon und ihrer kleinen Schwester.
Der Hass und die Wut, die Jiwon schon bald für George empfindet, sind bodenlos. Wenn sie wach ist, fantasiert sie; wenn sie schläft träumt sie. Sie träumt davon, der Sexualisierung und Respektlosigkeit ein Ende zu setzen. Sie träumt davon, George zu töten – und dann, zum krönenden Abschluss, seine Augen zu essen. Immer mehr verliert sie sich in ihren Fantasien, Traum und Realität verschwimmen und schon bald klebt wirklich Blut an ihren Händen.
„Das Beste sind die Augen“ ist ein grandioser, feministischer Horrorroman, der es echt in sich hat! Es wird durchaus eklig – Augen werden konsumiert –, und trotzdem (oder vielleicht auch deshalb) ist das hier mein absolutes Lieblingsbuch in diesem Jahr.



