"Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand", besprochen von Theodor Lindner

Hyoyeong hat das Schweigen perfektioniert, vor allem, wenn es um ihre ältere Schwester geht, die die Familie stark enttäuscht hat. Dies lastet schwer auf ihr, vor allem, als sie sich dazu gezwungen sieht, ihr Studium abzugeben und ihren Traum, Regisseurin zu werden, an den Nagel zu hängen. 

Und dann kommen Briefe für sie an, Briefe von ihrer Schwester, zu der seit Monaten niemand mehr Kontakt hat. Völlig überfordert von der Situation, unfähig, die Briefe zu lesen oder gar zu beantworten, tut Hyoyeong das einzige, das ihr einfällt zu tun: auch sie lässt die Familie hinter sich, zieht aus und findet einen Job – ausgerechnet in einem Briefladen. In der ruhigen Atmosphäre des Ladens und im Kontakt mit Kunden, die das Schreiben von Briefen noch wertschätzen, blüht Hyoyeong auf, findet Freunde und zu sich selbst und kann sich bald vielleicht, hoffentlich ihrer eigenen Vergangenheit und der Post ihrer Schwester zu stellen. 

„Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand“ reiht sich wundervoll ein mit Büchern wie „Frau Komachi empfiehlt ein Buch“. Absolute Wohlfühlliteratur und eine Liebeserklärung an das Briefeschreiben.


Kategorie