"Die Kinder von Bilbao", besprochen von Helke Stadelmeier

Maria Larrea erfährt mit Ende zwanzig, dass sie adoptiert wurde und begibt sich auf Spurensuche nach ihrer Herkunft. Sie erzählt von ihrer Kindheit in Paris. So lebte sie mit ihren Eltern in einer kleinen Dienstwohnung des Theatre de la Michodiere, in einem Viertel, das von Zuwanderern geprägt ist. Ihr Vater arbeitete dort als Pförtner. Der Vater war ein Trinker und Choleriker, die Mutter hart und lieblos. 

Gleichzeitig versucht sie die Lebensgeschichte ihrer Adoptiveltern zu erzählen. Beide sind ebenfalls in sehr armen Verhältnissen groß geworden. Victoria in Galicien und Julian in einem Heim in Bilbao. Sie lernten sich kennen, verliebten sich und wandern gemeinsam nach Frankreich aus, um eine bessere Zukunft zu haben. Ihr größtes Glück wäre ein Kind! 

Maria Larrea berichtet von Adoptionen im Franco-Nachkriegsspanien und erfährt, ihre Geschichte ist eine von vielen “Ninos Robados”. Sie erzählt von Zwangsadoptionen, von gekauften und schweigsamen Gynäkologen und von erzwungenen Trennungen von Mutter und Kind. Je mehr Maria Larrea von der Geschichte und den Lebensumständen ihrer Eltern erfährt, umso mehr Verständnis und Liebe kann sie für sie aufbringen. Sie schreibt mit viel Wärme und Empathie, dabei aber auch klar und schnörkellos. Ein kleines, feines Buch, das einen nicht mehr loslässt.


Kategorie