"Die zerbrechliche Zeit", besprochen von Helke Stadelmeier

Der Roman spielt in den Abruzzen. Die 20-jährige Amanda kehrt während des Lockdowns zurück aus Mailand zu ihrer Mutter Lucia in ein kleines Dorf. Amanda ist kaum wiederzuerkennen. Ihre Mutter Lucia sieht Amandas Schmerz, kann ihn aber nicht greifen.

Zwischen der schweigsamen Tochter und dem wortkargen Vater versucht Lucia ihr eigenes Leben zu fassen. Vor 30 Jahren ereignete sich unterhalb des Berges Dente del Lupo ein Verbrechen, das das ganze Dorf bis heute belastet. Zwischen den verschütteten Traumata von Amanda, Lucia und dem Dorf entfaltet sich eine tiefgründige Geschichte über Schweigen, Schuld und die unheilvolle Macht von Erinnerungen.

Ein rauer und zugleich zärtlicher Roman über eine Mutter- Tochter-Beziehung, eingebettet in einen Kriminalfall, der tatsächlich passiert ist. In der melancholischen Stimmung der italienischen Landschaft und der erschütternden Wahrheit des Verbrechens entfaltet sich eine Erzählung, die unter die Haut geht – leise, intensiv und nachhaltig. Ein Buch, das sich langsam öffnet wie ein verwilderter Garten und zeigt, dass die Vergangenheit nicht einfach ruht – weder für Einzelne noch für ein ganzes Dorf.


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