"Fabula Rasa", besprochen von Helke Stadelmeier
Vea Kaiser entführt uns in die Welt des Grand Hotel Frohners, eines der besten Häuser in Wien.
Angelika Moser kommt aus einfachen Verhältnissen. Sie ist bei ihrer Mutter aufgewachsen, diese war Hausbesorgerin in einem Gemeindebau. Angelika arbeitet nun als Buchhalterin im Hotel Frohner. Angelika ist Mitte zwanzig, tanzt die Nächte im U4 durch und lebt ein grelles Leben. Bis eines Tages der Hoteldirektor sie bittet, die Bilanzen von früher ein wenig zu verändern, weil der Vorwurf im Raum steht, man habe während der Nazizeit jüdische Miteigentümer ausgebootet.
Angelika schreibt die Bilanzen ein wenig um, in der Zwischenzeit passiert recht viel in ihrem Leben. Sie trennt sich von ihrem lieben, viel zu lieben Bertl und kommt dann mit Freddy zusammen, einem verhinderten Musiker, der seine Freiheit mehr liebt, als irgendwelche kapitalistischen Plattenlabelansagen. Dann wird Angelika von ihm schwanger, und um es ihrem Kind mal besser gehen zu lassen, beginnt sie erneut, die Bilanzen ein wenig zu verändern. Dieses Mal aber zu ihren Gunsten! Hier mal eine Serviettenrechnung faken, da mal ein paar neue Fliesen einreichen - bis ihr alles um die Ohren fliegt.
Vea Kaiser fabuliert großartig eine Geschichte mit viel Witz und Ironie. Die Figuren schillern und leuchten und man verliebt sich in den Wiener Schmäh und in Wien. Und wer Hilfe braucht, für den gibt es hinten ein kleines Wörterbuch. Ein Buch zum Abtauchen und die Welt vergessen!



