Gun Love, besprochen von Sonja Körner

„Meine Mutter war eine Tasse Zucker.“
 
Pearl ist 14 und lebt mit ihrer jungen Mutter seit ihrer Geburt auf dem Besucherparkplatz eines Trailerparks in Florida. Pearls Mutter hatte Gründe, aus ihrem wohlhabenden Elternhaus zu verschwinden, als Pearl zwei Monate alt war,  und von ihrem früheren Leben zeugen nur noch das handgeschnitzte chinesische Boot aus Elfenbein, die Spieluhr aus Mahagoni, eine Geige und Schmuck und Porzellan im Kofferraum des schon lange nicht mehr fahrbaren Ford Mercury. Sie arbeitet als Putzfrau im nahegelegenen Veteranenkrankenhaus, sorgt liebevoll für ihre Tochter und trotz der ungewöhnlichen Wohnverhältnisse ist ihre einzige Sorge die Angst vor dem Jugendamt. Die Bewohner des Trailerparks unterstützen die beiden und dort lebt auch April May, Pearls einzige und beste Freundin.
 
So weit, so harmonisch. Aber Clements Roman spielt im heutigen Amerika. Waffen sind überall und selbst geschulterte Schrotflinten im Gottesdienst ganz normal, Kriminalität, Kriegsveteranen und falsche Prediger gehören genauso zum Alltag von Pearl wie der Gestank der Mülldeponie und Armut. Und dann taucht Eli auf. Pearl spürt von Anfang an, dass dieser Mann ihr die Mutter nehmen wird.
 
Auf der Rückseite des Buches steht ein Auszug aus einer Rezension des Guardians, der ich nur zustimmen kann:
„Gun Love“ klingt wie eine lange verloren geglaubte Ballade von Johnny Cash oder Nick Cave.“
 
Ein tragisches, zuckersüßes und poetisches Buch.

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