"Juli August September", besprochen von Martina Schiemer

Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht eine junge Frau, Lou, sie lebt mit ihrem Mann, Sergej, einem Konzertpianisten, und ihrer fünfjährigen Tochter Rosa in Berlin. Sie selbst sehen sich als moderne junge jüdische Familie. Bis Rosa im Juli bei einer Kindergartenfreundin übernachtet und ihrer Mutter am nächsten Tag von einem Kinderbuch über Anne Frank erzählt, bei dem Lou erkennt, dass dessen Inhalt ein völlig anderes Bild der Ereignisse darstellt. Entschlossen, Rosas religiöse Erziehung in die Hand zu nehmen, bittet sie ihre Mutter um Rat. Diese schlägt Lou vor, mit Rosa und ihr nach Gran Canaria zu fliegen. Denn die Großtante Maya aus Tel Aviv hat beschlossen ihren 90. Geburtstag dort mit der gesamten Familie, einschließlich dem deutschen Zweig zu feiern. 

Im August treffen alle in der etwas in die Jahre gekommenen Hotelanlage auf der Insel ein. Spannungen und familiäre Katastrophen bleiben natürlich nicht aus. Über allem steht Großtante Maya, die nicht nur wegen des runden Geburtstages einen Sonderstatus genießt, sondern auch als eine Überlebende des Holocaust unantastbar ist. Und anstatt Antworten zu finden, werfen die vielen Geschichten der Familie bei Lou immer neue Fragen auf, sodass sie beschließt nach Tel Aviv zu reisen. 

Eine wunderbare Erzählung, leicht und mit großartigem selbstkritischen Humor geschrieben. Sehr berührt hat mich die Auseinandersetzung mit der eigenen, teils autobiographischen Familiengeschichte der Autorin. Große Leseempfehlung!


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