Kanada, besprochen von Sonja Körner
Ein Mann kehrt zurück in das vom Krieg zerstörte Budapest. Er hat das Lager überlebt und hofft, dass auch sein Haus in Trümmern liegt, da er nicht in seine Vergangenheit zurückkehren kann. Doch das Haus steht und er betritt seine Wohnung, die der Nachbar für ihn aufschließt. Da sie geplündert wurde, stehen dort nun ein paar andere Möbel, Spuren von Fremden sind überall, nur sein Teleskop ist noch da und ein paar Bücher in seinem Büro. Er wird die Wohnung saubermachen, und dann wieder auf die Straße gehen. Aber das tut er nicht. Aus Wochen werden Jahre und schon bald verlässt er nicht einmal mehr sein Büro. Er betrachtet die Menschen durch sein Fenster, wird von seinem Nachbarn und dessen Gattin mit Lebensmitteln versorgt, hört Stimmen durch die Wand, stellt Berechnungen an. Irgendwann werden zunächst ein Verwandter, dann Studenten, später Revolutionäre in seine Wohnung einquartiert. Er hört ihre Stimmen, doch sieht er sie so gut wie nie.
Gedanken kreisen in seinem Kopf und immer wieder kommt er in seinen Erinnerungen zurück nach Kanada, das nicht in Amerika liegt, und das er niemals vergessen kann.
Juan Gómez Bárcena ist Schriftsteller und Dozent in Madrid und wurde bereits für sein Buch „Der Himmel von Lima“ mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Kanada wurde 2017 von den spanischen Buchhändlern zu einem der drei wichtigsten Bücher des Jahres gewählt. Völlig zu Recht.
Kanada wurde 2017 von den spanischen Buchhändlern zu einem der drei wichtigsten Bücher des Jahres gewählt. Völlig zu Recht.
Ich habe mich kurz gefragt, ob ich dieses Buch wirklich vorstellen soll. Bücher über den Holocaust eignen sich oft nicht gerade als Verkaufsargument, vor allem vor Weihnachten. Aber dieser Roman hat mich so berührt, seine Sprache so sehr begeistert, dass ich ihn unbedingt empfehlen möchte. Vielleicht auch gerade jetzt und auch gerade vor Weihnachten.
Seit Wolfgang Borcherts Erzählungen hat mir kaum ein Buch die Schrecken von Krieg und Vernichtung so nah gebracht. Und sicher noch nie so sprachgewaltig.
Seit Wolfgang Borcherts Erzählungen hat mir kaum ein Buch die Schrecken von Krieg und Vernichtung so nah gebracht. Und sicher noch nie so sprachgewaltig.
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