"Lázár", besprochen von Helke Stadelmeier
Biedermann hat einen fiktionalen Roman über eine ungarische Adelsfamilie, die Lázárs, geschrieben, der wirklich sehr lesenswert ist. Aber er bedient sich auch ein wenig seiner Familiengeschichte väterlicherseits.
Beginnend am Ende des 19. Jahrhunderts begleiten wir die Familie Lázár auf ihrem Ritt durch die Geschichte, vom Zerfall der Habsburger Monarchie über die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg bis zur anschließenden sowjetischen Herrschaft. Biedermann erzählt vom Wohlstand zu Beginn im Waldschlösschen. Sandor Lázár hat endlich einen Sohn bekommen, der der neue Stammhalter werden soll. Aber Lajos ist so gar nicht wie sein Vater, mit seiner durchscheinenden Haut und den wasserblauen Augen. Seine sechs Jahre ältere Schwester bezeichnete ihn als ein durch und durch hässliches Kind. Die Distanz zwischen Vater und Sohn ist immer da. Vielleicht auch weil Sandor bereits ahnt, dass Lajos ein Kuckuckskind ist.
Wir folgen der Familie, vor allem Lajos, bis hin zum Neuanfang in der Schweiz, als Geflüchtete nach dem 2. Weltkrieg und erfahren, was die Familie im Laufe der Geschichte durchmachen muss. Sprachlich überzeugend und bildgewaltig erzählt er von allerlei Schicksalsschlägen bis hin zum Untergang der Adelsfamilie. Sehr lesenswert!



