Mittagsstunde besprochen von Birgit Närger

Die „Mittagsstunde“, ist ein typisches, beinah heiliges Ritual aus der bäuerlichen Vergangenheit. Zwischen 12 und 14 Uhr herrscht Ruhe!

Und an solchen Ritualen halten die schrulligen Dorfbewohner von Brinkebühl in Norddeeutschland fest.

Ingwer Feddersen ist 50 Jahre alt. Er ist Professor für Archäologie und lebt noch immer in einer WG in Kiel. Privat hat er noch nicht so viel auf die Platte gebracht.

Doch jetzt macht Ingwer ein Sabbatical. Er kehrt nach 30 Jahren zurück nach Brinkebühl, in das Dorf seiner Kindheit,  um seine uralten Großeltern zu pflegen. Oma Edda, von der Demenz in Schach gehalten und Großvater Sönke, der mit über 93 immer noch hinter dem Tresen seines „Dorfkrugs“ steht und Bier zapft.

Hier, im „Dorfkrug“  kommen alle zusammen. Hier werden Geschichten erzählt. Hier wird gefeiert und getrauert. Jeder gehört dazu, auch Ingwers „verdreihte“ Mutter Marret, die früher stets leicht verwirrt mit Klapperlatschen durch das Dorf gestreift ist.

An die Veränderungen, die die Flurbereinigung mit sich gebracht hat können und wollen die Dorfbewohner sich nicht gewöhnen.

Nicht daran, dass es keinen Bäcker und keinen Dorfschullehrer mehr gibt.

Und auch nicht an die jungen Familien, die die alten Höfe kaufen und modernisieren und mit ihren SUVs durchs Dorf preschen.

Lakonisch, liebevoll, klischeefrei und teilweise sehr, sehr witzig erzählt Dörte Hansen vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und von Neubeginn.


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