Noch so eine Tatsache über die Welt, besprochen von Theodor Lindner
Millie ist sieben Jahre alt, als sie ihr erstes totes Ding findet. Mit kindlicher Entschlossenheit beginnt sie, über jedes noch so kleine tote Wesen in ihrer Umgebung Buch zu führen. Sie ist keineswegs darauf vorbereitet, dass sie schon bald ihren eigenen Vater in das Buch der toten Dinge eintragen muss. Und auch dass ihre Mutter sie nur kurz darauf in einem Kaufhaus zurücklässt, hätte sie nie erwartet. Doch zum Glück trifft sie dort Karl. Karl ist 87 und aus dem Altenheim ausgebrochen, denn über die Notwendigkeit der Pflege sind er und sein Sohn sich uneinig. Und dann ist da auch noch Agata, 82, Millies äußerst unhöfliche Nachbarin, die seit dem Tod ihres Mannes nur noch am Küchenfenster sitzt und Passanten beleidigt.
Dieses ungleiche Trio begibt sich nun auf die Suche nach Millies Mutter. Dabei lernen sie einander und auch sich selbst kennen und bemerken schon bald, dass man Familie an den seltsamsten Orten und auf ganz ungewöhnliche Weisen finden kann.
Das Buch ist eindeutig bittersüß, immerhin gebt es um Verlust, Tod und das Verlassen werden. Doch gleichzeitig schafft es die Autorin, ein wunderschönes Bild zu malen von drei Menschen, die zu vertrauen und lieben lernen und dabei ganz von selbst zu einer kleinen Familie werden. "Noch so eine Tatsache über die Welt" ist ein Roman, der auf melancholische Weise glücklich macht, und einen ab und an durchaus auch mal zum Lachen bringen kann.



