"Perlen", besprochen von Helke Stadelmeier
Marianne wächst unglaublich behütet in einem kleinen Dörfchen in der Grafschaft Cheshire in England auf. Ihre Mutter ist eine liebevolle Mutter, macht Homeschooling und liest mit ihr wunderbare Geschichten und Gedichte und Marianne ist ein glückliches Kind, nicht lange denn!
Marianne ist gerade mal acht Jahre alt, als ihre Mutter spurlos verschwindet und in dem Moment zerspringt ihre kindliche Welt. Allein zurück bleiben sie, ein Babybruder und ein Vater, der mehr Schatten als Mensch zu sein scheint. Überall im Haus, aber auch in den Erinnerungen hängt die Trauer und beeinflusst das weitere Leben. Sie kämpft auch als Erwachsene, inzwischen selbst Mutter, intensiv mit dem Verschwinden und versucht die unverarbeitete Trauer, die Schuldgefühle und die fehlende Kommunikation innerhalb der Familie zu verarbeiten.
Hughes’ Sprache ist dabei so zart und präzise, dass es schmerzt– und gleichzeitig ein kleiner Balsam ist.. Hughes erzählt daraus jedoch keinen klassischen Familienroman und auch keinen Krimi über ein Verschwinden. Sie erzählt diese Geschichte nicht geradlinig, sondern in fragmentarischen Bildern und Erinnerungen – wie einzelne Perlen, die erst nach und nach eine Kette ergeben. Ein Buch über Verlust und über das lebenslange Fehlen der Mutter, selbst als Marianne selbst Mutter ist, ist da dieser tiefe Schmerz. Ein ganz leises und behutsames Buch mit vielen wunderbaren Sätzen und einer ganz eigenen Atmosphäre, das ich sehr gerne gelesen habe.



