"Seltsame Sally Diamond", besprochen von Theodor Lindner
Sally Diamond ist eine Frau Anfang 40, die es nicht immer leicht hatte im Leben. Als ihr Adoptivvater stirbt, tut sie das, was er sich – im Scherz – immer gewünscht hat: Sie entsorgt seine Leiche mit dem Müll. Zum Glück kennt man sie in ihrem kleinen Heimatort, sodass den meisten Leuten klar ist, dass sie keine Mörderin ist.
Doch diese unkonventionelle Bestattung hat ungeahnte Folgen.
Schon bald weiß jeder im Ort Dinge über Sallys Vergangenheit, an die sie selbst keine Erinnerungen hat. Ihre ersten sechs Lebensjahre vor ihrer Adoption waren voller Traumata, die sie bis heute prägen. Während sie allmählich die Wahrheit über ihre Kindheit erfährt und versucht, dieses Wissen zu verarbeiten, treten neue Menschen in ihr Leben, deren Motive nur schwer einzuschätzen sind. Ihr neuer Nachbar, zum Beispiel, dessen Interesse an Sallys Kindheit und ihrer leiblichen Mutter obsessiv erscheint. Und dann ist da noch die Post vom andere Ende der Welt, von einer Person, die unheimlich viel über Sallys Eltern und Kindheit zu wissen scheint.
„Seltsame Sally Diamond“ ist absolut grandios – und Triggerwarnungen würdig. Es ist ein verstörendes Buch, das sich intensiv mit menschlichen Abgründen beschäftigt und sollte vermutlich eher auf dem eigenen Wunschzettel stehen oder nur auf Wunsch hin verschenkt werden. Ich habe das Buch bereits vor ein paar Monaten gelesen und seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht daran denken muss und verfolgt werde. Trotzdem – oder vielleicht auch deswegen – ist es meine absolute Leseempfehlung.



