"Was ich dir erzählen möchte", besprochen von Theodor Lindner

Das hier ist ein ganz besonderes Buch, nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch wegen des Schreibstils und vor allem der Perspektive. Denn es ist in der Du-Form geschrieben, spricht unsere Protagonistin direkt an. 

Das Mädchen ist acht Jahre alt, autistisch – undiagnostiziert – und hat große Probleme in der Schule, weil sie oftmals nicht versteht, was die Menschen von ihr möchten. Ihre Eltern sind maßlos überfordert und sie selbst ist schon früh überzeugt: Sie ist ein Alien, das nur durch Zufall auf der Erde gelandet ist. Und sie ist allein hier. 

Nachts, wenn sie nicht schlafen kann, schaut sie fern, oft irgendwelche Dokumentationen, die eben gerade so laufen. So stößt sie irgendwann auf das Voynitch-Manuskript, ein mittelalterliches Dokument, dessen Sprache bis heute nicht entschlüsselt wurde. Einige Verschwörungstheoretiker glauben, dass es von Außerirdischen stammt. Zum ersten Mal in ihrem jungen Leben fühlt sich unser kleines Alien verstanden, weniger einsam auf der Welt. Es wird zu ihrer Mission, alles über Sprache zu lernen und irgendwann das Voynitch-Manuskript mit eigenen Augen zu sehen und schließlich zu übersetzen. 

„Was ich dir erzählen möchte“ ist ein wundervoller Roman über das Anderssein. Er zeigt die Schwierigkeiten auf, mit denen unser kleines Alien konfrontiert ist, aber eben auch, wie gut es tut, Menschen zu haben, die einen verstehen und so nehmen, wie man eben ist. Definitiv mein Highlight in diesem Jahr.


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