"Das Schloss der Schriftsteller", besprochen von Birgit Närger

Im Herbst 1946 liegt Nürnberg in Trümmern, im nahen Schloss Faber-Castell versammelt sich eine illustre Schar von internationalen Prozessberichterstattern, um über das Richten der Siegermächte über die deutschen Kriegsverbrecher die Welt zu unterrichten. Deutsche hatten kein Wohnrecht in diesem Schloss der Bleistift-Dynastie, und so quartierten sich Erika Mann als Amerikanerin, Willy Brandt als Norweger, Markus Wolf als Russe, Wolfgang Hildesheimer als in Palästina Überlebender ein. Wer zuvor als Kriegsberichterstatter gearbeitet hat, schätzt die einigermaßen komfortable Unterbringung im „Bleistift-Schloss“, andere wünschen sich weg von dieser „German Schrecklichkeit“ an einen anderen Einsatzort - der unwürdigen Unterbringung in Stockwerksbetten oder vor allem des angeklagten Holocaust und der verhandelten Grausamkeiten im Justizpalast wegen. Das „Presscamp“ mit dieser Ansammlung von Egozentrikern erlebt persönliche Marotten, Eifersüchteleien, Intrigen und selbst Liebesverhältnisse, sicherlich auch als Reaktion auf die Ungeheuerlichkeiten der Gerichtsverhandlungen. Vor allem den Journalistinnen gilt Neumahrs Augenmerk, umso mehr, als diese einen ganz eigenen Blick auf die gespielte oder verbliebene Virilität von Angeklagten und Justiz erlauben. Und liefert eine packende Sicht, wie Schriftsteller gerungen haben - mit der Verhandlung und Aburteilung der dunkelsten Jahre deutscher Geschichte.


Bibliographie
Tipp
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Das Schloss der Schriftsteller
Uwe Neumahr
Das Schloss der Schriftsteller
Nürnberg '46. Treffen am Abgrund
EAN: 978-3-406-79145-1
ALS WELTLITERATUR AUF WELTGESCHICHTE TRAF - DAS GIPFELTREFFEN AUF SCHLOSS FABER-CASTELL Wohl nie waren so viele berühmte Schriftsteller und Reporterinnen aus aller Welt unter einem Dach versammelt wie in Nürnberg 1946. John Dos Passos und Erika Mann, Erich Kästner und Martha Gellhorn, Willy Brandt und Markus Wolf: Sie kamen, um zu berichten - von den Gräueln des Krieges und des Holocaust, die dort vor Gericht verhandelt wurden. Sie wohnten und schrieben auf Schloss Faber-Castell, diskutierten, tanzten, verzweifelten, tranken. Uwe Neumahr erzählt ihre Geschichte in seinem aufregenden und bewegenden Buch. Nürnberg 1946: Es war eine einzigartige Versammlung von weltberühmten Schriftstellern, Journalistinnen, Reportern und solchen, die später einmal die Berühmtheit erlangten. Erich Kästner war dort und Erika Mann, John Dos Passos und Martha Gellhorn. Augusto Roa Bastos kam aus Paraguay, Xiao Qian aus China. Im Gerichtssaal blickten sie den Verbrechern ins Angesicht, die sich für den Krieg und den Holocaust verantworten mussten. Im Press Camp auf dem Schloss Faber-Castell versuchten sie, das Unfassbare in Worte zu fassen, damit die Welt davon erfahren konnte. Dabei trafen im Mikrokosmos des Faber-Schlosses Exil-Rückkehrer auf Überlebende des Holocaust, Kommunisten auf Vertreter westlicher Medienkonzerne, Frontberichterstatter auf extravagante Starreporter. Man schlief auf Feldbetten und begegnete sich in der Bar, im Salon, im Spielzimmer und im Kino, die die Alliierten in der globalen Herberge eingerichtet hatten. Und während die Schlossbewohner in den Abgrund der Geschichte sahen, während sie über Schuld, Sühne und Gerechtigkeit nachdachten, veränderten sich nicht nur sie, sondern auch die Art, wie sie schrieben. Eine einzigartige Versammlung von Schriftstellern, Journalistinnen und Reportern Erika Mann, Erich Kästner, Willy Brandt, John Dos Passos, Martha Gellhorn und viele andere Nürnberg 1946 die Welt blickt in den Abgrund Uwe Neumahr sichtet bislang unveröffentlichte Quellen Für Leser:innen von Uwe Wittstock "Februar 33"

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