"Der Buchladen am Ende der Welt", besprochen von Theodor Lindner
Ruth Shaw ist beinahe 80 Jahre alt und Buchhändlerin. Im südlichsten Zipfel Neuseelands hat sie ihre Two Wee Bookshops, zwei kleine grüne Häuschen, in denen sie das halbe Jahr über teilweise mehr Bücher verschenkt, als sie tatsächlich verkauft. Sie erzählt warmherzige Anekdoten aus ihren Buchläden.
Und sie erzählt uns aus ihrem faszinierenden Leben. Ich weiß, dass es irgendwie komisch ist, Autobiografien von beliebigen Leuten zu lesen, aber Ruth Shaw ist eben nicht irgendeine beliebige Frau. Ihre kaufmännische Ader wurde ihr in die Wiege gelegt: Dank einer (missglückten) Geschäftsidee ihres Vaters wuchs sie einige Zeit mit 100 Hühnern im Hinterhof auf und züchtete mit sieben Jahren Mäuse, um sich mit deren Verkauf auf dem Schulhof das Taschengeld aufzubessern – die Nonnen an der Schule waren nicht begeistert. Sie verbringt viele Jahre auf See, wird wegen Glücksspiel verhaftet und teilt ein Foto der Piraten, von denen sie überfallen wurde. Sie steht nie lange still, lässt sich auch von Schicksalsschlägen nicht entmutigen.
„Der Buchladen am Ende der Welt“ ist so ein Buch, das man einfach lieben muss. Es ist gute Laune und Optimismus in Papierform und gleichzeitig unheimlich bewegend.



