"Liebe in Zeiten des Hasses", besprochen von Sonja Körner

Dieses Buch kann man wirklich allen schenken, die sich auch nur annähernd für Bücher, Theater, Geschichte, Philosophie oder die Liebe interessieren. Oder auch allen anderen, weil es einfach so schön und mitreißend geschrieben ist.

Wie schon für seine beiden „1913“ Bücher hat der Kunsthistoriker und Autor Florian Illies wieder gründlich recherchiert: in Tagebüchern, Briefen und Biografien machte er sich auf die Suche nach großen Gefühlen berühmter Menschen und wurde fündig. Und das in einer sehr bewegten Zeit, und zwar zwischen 1929-1939. Die Goldenen Zwanziger gehen zu Ende und der Nationalsozialismus nimmt auch auf das Privatleben mehr und mehr Einfluss.

Aber geliebt wird zum Glück immer! Erich Kästner liebt hauptsächlich seine Mutter, Anaïs Nin ihren Vater eindeutig zu sehr, Hermann Hesse macht den Damen das Leben schwer und nicht nur bei Marlene Dietrich habe ich irgendwann aufgehört mitzuzählen. Kurt Weill finanziert Lotte Lenya und ihre Liebhaber und Liebhaberinnen, Klaus Mann tut sich bei der Partnersuche schwerer als seine Schwester Erika und selbst Stalin hatte wohl Gefühle. Und auch im Exil, zum Beispiel in Sanary-sur-Mer, wird eifrig zwischen Personen und Geschlechtern hin- und hergewechselt. Fast bekommt man ganz rote Bäckchen. Und dann sind da ja noch Berthold Brecht, Josephine Baker, Lion Feuchtwanger, Salvador Dalí, Hannah Arendt, und, und, und, denen man immer wieder begegnet. Manche sehe ich jetzt doch in einem ganz anderen Licht. Und nie wird es zu viel, immer weiter liest man sich atemlos durch die wohlproportionierten Texthäppchen. Einige Liebesgeschichten und Schicksale berühren sehr, aber noch öfter bringt Florian Illies einen zum Lachen.

„Liebe in Zeiten des Hasses“ ist eindeutig mein Lieblingsbuch des Jahres.


Bibliographie
Tipp
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Liebe in Zeiten des Hasses
Florian Illies
Liebe in Zeiten des Hasses
Chronik eines Gefühls 1929-1939
EAN: 978-3-10-397073-9
'Lesen Sie bitte dieses Buch, es ist hinreißend. Ich habe so viel Neues erfahren, über die Liebe, die Kunst und das Grauen.' Ferdinand von Schirach 'Absolut mitreißend: Auf jeder Seite gibt es etwas Neues zu entdecken.' Daily Telegraph In einem virtuosen Epochengemälde erweckt Florian Illies die dreißiger Jahre, dieses Jahrzehnt berstender politischer und kultureller Spannungen, zum Leben. Als JeanPaul Sartre mit Simone de Beauvoir im KranzlerEck in Berlin Käsekuchen isst, Henry Miller und Anaïs Nin wilde Nächte in Paris und 'Stille Tage in Clichy' erleben, F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway sich in New York in leidenschaftliche Affären stürzen, fliehen Bertolt Brecht und Helene Weigel wie Katia und Thomas Mann ins Exil. Genau das ist die Zeit, in der die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergreifen, Bücher verbrennen und die Gewalt gegen Juden beginnt. 1933 enden die 'Goldenen Zwanziger' mit einer Vollbremsung. Florian Illies führt uns zurück in die Epoche einer singulären politischen Katastrophe, um von den größten Liebespaaren der Kulturgeschichte zu erzählen: In Berlin, Paris, im Tessin und an der Riviera stemmen sich die großen Helden der Zeit gegen den drohenden Untergang. Eine mitreißend erzählte Reise in die Vergangenheit, die sich wie ein Kommentar zu unserer verunsicherten Gegenwart liest: Liebe in Zeiten des Hasses. 'Eine Gesellschaftsgeschichte in Zweier- und Dreierbeziehungen. Indiskret, schonungslos und aufregend. Desillusionierend und anrührend zugleich. Ein Bravourstück.' Harald Jähner

Bei Bestellung bis 17 Uhr während der Ladenöffnungszeiten ist der Titel am nächsten Tag abholbereit.

24,00 €
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