"Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche", besprochen von Theodor Lindner
Der Titel des Buches provoziert, aber machen Sie sich keine Sorgen: Seit die Autorin Reni Eddo-Lodge vor einigen Jahren einen Blogpost mit genau diesem Titel veröffentlicht hat, hat sie eigentlich nichts Anderes mehr getan, als mit Weißen über Hautfarbe zu reden.
Rassismus ist nicht, wie man fälschlicherweise meinen könnte, ein rein amerikanisches Problem, und in ihrem Buch zeigt die Autorin exemplarisch an ihrem Heimatsland Großbritannien, wie genau der alltägliche Rassismus aussieht. Denn nicht immer geht es darum, ob ein Polizist ohne jegliche Konsequenzen einen Schwarzen erschießen kann. Sondern darum, dass die Armutsquote unter Schwarzen weitaus größer ist als unter Weißen; dass man mit einem ausländisch klingenden Namen geringere Chancen hat, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, selbst wenn die Qualifikationen stimmen; und dass man meist, wenn man nicht weiß ist, bereits in der Schule schlechter bewertet wird, wodurch eine gleichgestellte Bildung schier unmöglich wird.
Mit einer Mischung aus eigenen Erfahrungen und harten Fakten liefert Eddo-Lodge ein Bild Großbritanniens, welches man gerne übersieht, ist das Land doch schließlich so multikulturell. Doch es sind die kleinen Dinge, die sich aufhäufen und damit für ein Ungleichgewicht sorgen, das noch immer besteht.
"Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe rede" ist eine absolute Pflichtlektüre für alle, die sich über Rassismus in Europa informieren möchten - und auch für die, die meinen, schon alles zu wissen.



