„Mama, bitte lern Deutsch“, besprochen von Birgit Närger
Kennen Sie Tahsim Durgun? Schonmal von ihm gehört? Er hat sich mit seinem trocken Humor auf Instagram und auf YouTube einen Namen gemacht. Ich kannte ihn nicht.
Und davon erzählt Tahsim Durgun: Mit messerscharfer Intelligenz, poetischer Sprachgewalt und zynischem Humor erzählt er von dem Eingliederungsversuch seiner Familie in eine geschlossene Gesellschaft. Er musste, noch bevor er die Grundschule beendet hatte, für seine Mutter Abschiebebriefe entziffern, Aldi-Prospekte übersetzten und bei intimen Arztbesuchen dolmetschen.
Eines Tages kommt ein Brief, wieder muss er übersetzen: „Widerruf der Asylberechtigung/Flüchtlingseigenschaft“. Ihm, der in Oldenburg geboren wurde, seine weiteste Reise war nach Hannover, droht die Abschiebung. Zusammen mit seiner Schwester und seiner Mutter vereinbart er einen Termin bei der Ausländerbehörde und sitzt einer überkorrekten Sachbearbeiterin gegenüber, die Demütigungen zu genießen scheint. Die Mutter einer Klassenkameradin.
Vor dem Hintergrund seiner eigenen Lebensgeschichte in einer Kurdisch-deutschen Familie rechnet Tahsim Durgun ab mit der deutschen Bürokratie und zeigt gleichzeitig tiefen Respekt für seine Mutter, die für die deutsche Gesellschaft immer unsichtbar bleiben wird.



