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ISBN/EAN: 978-3-518-42963-1
Einband: gebundenes Buch
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Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
286 S.
Format (T/L/B):
2.5 x 21.3 x 13.2 cm

Hersteller:
Suhrkamp Verlag GmbH
info@suhrkamp.de
Torstr. 44
DE 10119 Berlin


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Unser Tipp für Sie

Deniz Ohde erzählt in ruhigen und eindringlichen Ton die Geschichte einer jungen Halbtürkin, die in einem Industrieort bei Frankfurt zwischen Fertigungshallen, dem Geruchvon Säure, Industrieschnee, Armut und Hoffnungslosigkeit aufgewachsen ist. Die namenlose Ich-Erzählerin kommt an diesen Ort zurück und erinnert sich an ihre Kindheit - an ihren Vater, der zuviel trinkt und sie in ständiger Alarmbereitschaft ist, um den Gemütszustand des Vaters zu deuten. Sie spürt schon beim Haustüre aufschließen, wie unsichtbar sie sich zu Hause machen muss. Und dieses Unsichtbarmachen geht auch im Schulalltag weiter. Auch in der Schule wird sie nicht wahrgenommen und wenn dann stigmatisiert als Türkin, wird übergangen, sie macht sich immer unsichtbarer und wird dann auch einfach schlicht vergessen. Im Gegensatz zu ihr stehen ihre besten Freunde Pikka und Sophie aus gutbürgerlichem Elternhaus, denen ohne viel eigenes zutun die Welt offener steht.

Deniz Ohde hat eine ganz feines Gespür für Stimmungen und erzeugt in einer ruhigen Sprache Bilder, in denen Kleines beschrieben und Großes gesagt wird! Es ist ein aufwühlender Roman über eine Kindheit zwischen Diskriminierung von außen und einem gefühlskalten und stummen Elternhaus. Dieser Roman hat mich tief berührt und nicht losgelassen - unbedingte Leseempfehlung!

Beschreibung

Industrieschnee markiert die Grenzen des Orts, eine feine Säure liegt in der Luft, und hinter der Werksbrücke rauschen die Fertigungshallen, wo der Vater tagein, tagaus Aluminiumbleche beizt. Hier ist die Ich-Erzählerin aufgewachsen, hierher kommt sie zurück, als ihre Kindheitsfreunde heiraten. Und während sie die alten Wege geht, erinnert sie sich: an den Vater und den erblindeten Großvater, die kaum sprachen, die keine Veränderungen wollten und nichts wegwerfen konnten, bis der Hausrat aus allen Schränken quoll. An die Mutter, deren Freiheitsdrang in der Enge einer westdeutschen Arbeiterwohnung erstickte, ehe sie in einem kurzen Aufbegehren die Koffer packte und die Tochter beim trinkenden Vater ließ. An den frühen Schulabbruch und die Anstrengung, im zweiten Anlauf Versäumtes nachzuholen, an die Scham und die Angst - zuerst davor, nicht zu bestehen, dann davor, als Aufsteigerin auf ihren Platz zurückverwiesen zu werden. Wahrhaftig und einfühlsam erkundet Deniz Ohde in ihrem Debütroman die feinen Unterschiede in unserer Gesellschaft. Satz für Satz spürt sie den Sollbruchstellen im Leben der Erzählerin nach, den Zuschreibungen und Erwartungen an sie als Arbeiterkind, der Kluft zwischen Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit, der verinnerlichten Abwertung und dem Versuch, sich davon zu befreien.

Über Deniz Ohde

Informationen zu Deniz Ohde auf suhrkamp.de