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ISBN/EAN: 978-3-86539-943-4
Einband: gebundenes Buch
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Erschienen am:
20.09.2026
20.09.2026
Sprache:
Deutsch
Deutsch
Umfang:
160 S.
160 S.
Format (T/L/B):
1.8 x 20.5 x 13.3 cm
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Hersteller:
S. Marix Verlag GmbH im Verlagshaus Römerweg GmbH
verlagshausroemerweg@sigloch.de
Römerweg 10
DE 65187 Wiesbaden
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Die Völkerwanderung
Von der Spätantike bis ins Frühmittelalter - Neue marixwissen 14 - Bereits 5. Auflage, marixwissen 22
Leseprobe
A. EINLEITUNG 1. ZEITSTELLUNG UND DEFINITIONEN Als die Zeit der Völkerwanderung wird jene Epoche zwischen 376, als die Goten die Donau überschreiten, bis 568, als die Langobarden in Italien einfallen, bezeichnet. Die Völkerwanderung kann definiert werden als eine Wanderungsbewegung germanischer Stämme von Norden nach Süden, wobei diese später - von den Hunnen bedroht - in das Römische Reich einfallen und 476 das Ende des Weströmischen Reiches herbeiführen. Man kann den Zeitrahmen auch weiter stecken, etwa von den Markomannenkriegen Marc Aurels 166-180 bis zum Ende des Langobardischen Reiches 774 durch Karl den Großen. Um eine Definition zu finden, hat man vor gar nicht allzu langer Zeit noch versucht, die Völkerwanderung als Sieg einer überlegenen nordischen Rasse über eine verweichlichte und dekadente südländische Rasse darzustellen. Es gibt also eine Menge möglicher und auch in der Vergangenheit verwendeter Definitionen der Völkerwanderung, wobei selbst dieser Begriff zweifelhaft erscheint. Das Wort Völkerwanderung" stammt aus dem Jahre 1515 und wurde vom deutschen Geographen Konrad Peutinger geprägt, erstmals in einem wissenschaftlichen Werk wird es von Wolfgang Lazius in seiner Schrift de gentium aliquot migrationibus im Jahre 1557 verwendet. Im Englischen spricht man von Migration Period, Migration Age oder auch Barbaric Invasions. Die Frage bleibt aber, ob es wirklich eine Wanderung von Völkern" war oder ob die Germanenzüge" vielleicht nur ethnisch bunt zusammengesetzte Heerhaufen von Opportunisten mit einem germanischen Traditionskern waren, die sich an jeden verdingten, der sie bezahlte, die mit Frauen und Kindern im Tross marschierten und die, wenn sie niemandem dienten, sich auf eigene Faust nahmen, was sie brauchten. Fraglich bleibt auch, ob das Ende des Weströmischen Reiches, das durch die Völkerwanderung mit verursacht wurde, ein plötzliches dramatisches Ereignis war oder eher eine langsame Transformation eines nicht mehr regierbaren Staatsgebildes zu mehreren neuen Reichen, aus denen sich später die politische Landschaft Europas formen sollte. Man kann sich dem Begriff und der Zeit der Völkerwanderung also auf verschiedenste Weise nähern. Jede Zeit hatte nach ihrer Ideologie, ihrer Vorstellung von historischen Abläufen und ihrer politischen Weltanschauung einen anderen Zugang zur Zeit der Völkerwanderung. Genauso gibt es unter den Wissenschaftlern verschiedene Anschauungen in Bezug auf die Völkerwanderung, wobei derzeit die Theorie der Transformation die vorherrschende Meinung ist und auch die ältere Theorie von einem dramatischen Zeitalter mit dem Höhepunkt des Endes des Weströmischen Reiches im Jahre 476 wieder vermehrt Interesse findet. Es ist nicht möglich, auf den hier zur Verfügung stehenden Seiten alle Theorien zur Völkerwanderung mit ihren Beweisen und Gegentheorien ausreichend zu diskutieren. Ich habe mich daher auf die Wiedergabe der historischen Fakten beschränkt, soweit diese durch Quellen zu belegen sind, konnte aber auch nicht umhin, diese Fakten einer Interpretation zu unterziehen, wobei sich diese weitgehend auf die Werke von Walter Goffart und Guy Halsall stützt, die man als Vertreter der Transformationstheorie bezeichnen könnte. Es kann aber gesagt werden, dass die Zeit der Völkerwanderung jene war, in der die Antike zu Ende ging und die jene Staats- und Lebensformen anlegte, aus denen das Mittelalter entstehen sollte. Dieser Prozess hat unsere Gesellschaft geprägt, oft mehr, als wir bereit sind zu sehen. Die Grundlagen der heutigen politischen Form Europas wurden bereits in der Völkerwanderung gelegt. Und da das Abendländische" bis heute Kultur, Weltsprache und durch seine Abkömmlinge auch die Weltpolitik im Wesentlichen bis vor kurzer Zeit fast ausschließlich bestimmte, hat die Völkerwanderung ihren Einfluss auf die gesamte Weltgeschichte gehabt und wirkt bis heute nach.



